Dr. Frank Dreier
 
 
 
 
 
Glossar
Bauablaufstörungen

In der Baupraxis kommt es oft zu Abweichungen von den geplanten oder vereinbarten Vorgaben (Bau-Soll), die nicht nur Bauzeitverlängerungen und zusätzliche Kosten zur Folge haben, sondern auch zu Auseinandersetzungen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern führen. Mitunter lassen sich die Auswirkungen von negativen Einflüssen auf den Bauablauf reduzieren, wenn die Störungsursachen möglichst frühzeitig erkannt und die Vertragspartner im Sinne einer kurzfristigen Klärung ein entsprechendes Störungsmanagement etablieren. Zu unterscheiden ist zwischen Ursachen im Risikobereich des Auftraggebers, des Auftragnehmers und Dritter.

Die Folgen von Bauablaufstörungen können sein:

  • zeitliche Auswirkungen (Verlangsamung, Unterbrechung, Beschleunigung, Bauzeitverlängerung)
  • ablauftechnische Auswirkungen (Ablaufumstellungen)
  • Mehrkosten (verlängerter Einsatz, störungsbedingte Produktivitätsminderungen)
  • negative Auswirkungen auf die weitere Vertragsabwicklung (Konfliktpotenzial)
Die Auswertung von 85 Bauvorhaben hat ergeben, dass Verschiebungen von Fertigstellungsterminen infolge von Bauablaufstörungen von bis zu sechs Monaten und darüber hinaus keine Seltenheit sind (Quelle: Dreier, F.: Nachtragsmanagement aus baubetrieblicher Sicht, Dissertation TU Cottbus, 2001, DOWNLOAD)
 
Aus der Sicht von ausführenden Unternehmen führten Bauablaufstörungen bei diesen Bauvorhaben zu folgenden störungsbedingten Mehraufwendungen im Verhältnis zur Auftragssumme, wobei technische Nachträge darin nicht enthalten sind:
  • Rohbauleistungen/Ingenieurbauwerke: 11% bis 21 %
  • schlüsselfertige Bauvorhaben: 6 % bis 12 %
  • Tief-, Spezialtief- und Verkehrswegebauten: 13% bis 45 %

In der folgenden Abbildung sind die störungsbedingten auftragnehmerseitigen Mehrkosten von 86 ausgewerteten Bauvorhaben grafisch dargestellt.

 
Wegen der erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen besteht ein Interesse der am Bau Beteiligten, die Ursachen von Bauablaufstörungen möglichst zu vermeiden und im Eintrittsfall professionell zu managen.

Für die Darlegung von Ansprüchen aus Bauablaufstörungen sind erforderlich: 
  • Feststellung/Dokumentation des Bau-Solls
    (Inhalte, Rahmenbedingungen)
  • Feststellung und Dokumentation der Abweichungen vom Bau-Soll
  • Anzeige der Ansprüche
  • Dokumentation des Ist-Zustandes
  • Begründung der Ansprüche und realistische Bewertung der Auswirkungen hinsichtlich Bauzeit, Bauablauf und Mehrkosten

Wirtschaftlich zielführend ist folgende Verfahrensweise bei Bauablaufstörungen:

  • Reduzierung bzw. Vermeidung von Störungsursachen
  • frühzeitiges Erkennen von Bauablaufstörungen
  • Beseitigung der Störungsursachen
  • Minimierung der Auswirkungen
  • kurzfristige Beurteilung der Auswirkungen (Zeit, Kosten)
  • Verständigung der Beteiligten
Die Beurteilung der Ursachen und Auswirkungen von Bauablaufstörungen zählt zu den komplexesten Aufgaben im Bereich baubetrieblicher, bauwirtschaftlicher und auch baurechtlicher Themenfelder. Da nicht nur sämtliche Bereiche des baubetrieblichen/bauwirtschaftlichen Ingenieurwissens berührt sind, sondern auch eine enge Beziehung zum Baurecht besteht, ist bei der Aufbereitung dieser Sachverhalte eine Zusammenarbeit von Spezialisten beider Fachbereiche zu empfehlen.

Weiterführende Literatur zum Thema Bauablaufstörungen/Baurecht:
[1]Dreier, F.: Nachtragsmanagement für gestörte Bauabläufe aus baubetrieblicher Sicht, Diss., Cottbus, 2001 (DOWNLOAD)
[2]Drittler, M.: Nachträge und Nachtragsprüfung beim Bau- und Anlagenbauvertrag, Wernerverlag, 2010
[3]Fetzner, T.: Ein Verfahren zur Erfassung von Minderleistungen aufgrund witterungsbedingter Bauablaufstörungen, Dissertation TU Darmstadt, 2007
[4]Franke/Kemper/Zanner/Grünhagen: VOB-Kommentar, Wernerverlag, 4. Aufl., 2010
[5]Genschow, C./Stelter, O.: Störungen im Bauablauf, Werner, 2. Aufl., 2007
[6]Gutsche, H.: Behinderung der Bauausführung und Vergütungsansprüche bei nicht rechtzeitiger Übergabe von Ausführungsunterlagen; Bauwirtschaft, Hefte 34 u. 35/1984, S. 1123-1133, 1163-1167
[7]Heilfort, Th.: Ablaufstörungen in Bauprojekten; Schriftenreihe des Instituts für Baubetriebswesen der TU Dresden, Band 3, 2003
[8]Kapellmann, K. D./Schiffers, K.-H.: Vergütung, Nachträge und Behinderungsfolgen, Bd. 1: Einheitspreisvertrag, Werner, 5. Auflage, 2006
[9]Kapellmann, K. D./Schiffers, K.-H.: Vergütung, Nachträge und Behinderungsfolgen, Bd. 2: Pauschalpreisvertrag, Werner, 4. Auflage, 2006
[10]Lang, A./Rasch, D.: Allgemeine Geschäftskosten bei einer Verlängerung der Bauzeit; in: Festschrift für Walter Jagenburg zum 65. Geburtstag, Beck Juristischer Verlag, 2002, Seiten 417-433
[11]Leinemann, R.: VOB/B-Kommentar, Wernerverlag, 4. Aufl., 2010
[12]Matijevic, D.: Gestörte Bauabläufe, Aspekte zur Vermeidung oder Minimierung einer Bauzeitverlängerung, Universitätsverlag der TU Berlin, 2008
[13]Mitschein, A.: Die baubetriebliche Bewertung gestörter Bauabläufe aus Sicht des Auftragnehmers; Aachen : Wissenschaftsverlag Mainz in Aachen, 1999 (Mitteilungen aus dem Fachgebiet Baubetrieb und Bauwirtschaft, Band 15)
[14]Noosten, D.: Die Unterdeckung Allgemeiner Geschäftskosten bei Bauablaufstörungen und Anwendung der VOB/B aus baubetriebswirtschaftlicher Sicht, Dissertation Uni Essen, 2005
[15]Oberndorfer, W.: Claim Management und alternative Streitbeilegung im Bau- und Anlagenvertrag: Teil 1: Grundlagen und Methoden; Manz Verlag, 2. Aufl., 2010
[16]Oberndorfer, W./Dreier, F.: Claim Management und alternative Streitbeilegung im Bau- und Anlagenvertrag: Teil 2: Praktische Anwendung; Manz Verlag, 2. Aufl., 2010
[17]Plum, H.: Sachgerechter und prozessorientierter Nachweis von Behinderungen und Behinderungsfolgen beim VOB-Vertrag; Werner, 1997
[18]Reister, D.: Nachträge beim Bauvertrag; Werner, 2. Auflage, 2007
[19]Vygen, K./Joussen, E.: Bauvertragsrecht nach VOB und BGB: Handbuch des privaten Baurechts, Werner, 4. Aufl., 2008
[20]Vygen, K./Schubert, E./Lang, A.: Bauverzögerung und Leistungsänderung; Werner, 5. Aufl., 2008
[21]Würfele, F./Gralla, M.: Nachtragsmanagement, Wolters Kluwer, 2006
[22]*/* BGH-Entscheidung vom 20.02.1986 (VII ZR 286/84)
[23]*/* BGH-Entscheidung vom 21.10.1999 (VII ZR 185/98)
[24]*/* BGH-Entscheidung vom 24.02.2005 (VII ZR 141/03)
[25]*/* BGH-Entscheidung vom 24.02.2005 (VII ZR 225/03)

 
 
 
 
 
 
 
Seite weiterleiten

Hier können Sie den Link zu dieser Seite an eine interessierte Person senden.

Ihr Name
 
Ihre e-Mail
 
e-Mail des Empfängers
 
Nachricht
 
 
 
 
Quelle / Link: http://www.fdreier.de/Leistungen/Glossar